Hüftendoprothetik
Die Hüftendoprothetik stellt den künstlichen Ersatz des Hüftgelenks dar. Dieser ist hauptsächlich beim Altersverschleiß des Hüftgelenks, der so genannten Coxarthrose notwendig. Weitere Erkrankungen am Hüftgelenk welche diesen Eingriff häufig erforderlich machen sind die Rheumatoide Arthritis (Gelenkrheuma), die Hüftkopfnekrose (Absterben des Hüftkopfes bei Durchblutungsstörung), die posttraumatische Arthrose nach einem Unfall, die sekundäre Arthrose als Folge einer Hüfterkrankung wie z.B. bei M. Perthes oder Hüftdysplasie (angeborene Fehlanlage des Hüftgelenks).
Aktuell ist eine Vielzahl unterschiedlichster Endoprothesenmodelle verfügbar, die sich hinsichtlich Design, Philosophie der Verankerung und Krafteinleitung, sowie der verwendeten Materialien unterscheiden. Die Verankerung von Schaft und Pfanne kann grundsätzlich zementiert, zementfrei oder als Kombination beider Verfahren (Hybrid-Endoprothese mit meist zementierten Schaft und zementfreier Pfanne) erfolgen. Die Zementiertechnik hat sich vor allem im höheren Lebensalter durchgesetzt, da sie eine gute und dauerhafte Verankerung auch in biologisch weniger regenerationsfreudigen Knochen gewährleistet. Beim jüngeren Patienten ist die zementfreie Verankerungstechnik vorzuziehen, da die heute verfügbaren Prothesenmodelle sowohl eine primär stabile Implantation als auch eine langfristige knöcherne Integration aufweisen.
Bei Eignung des Befundes kann eine minderinvasive Operationstechnik (Hautschnitt ca. 10cm) angewendet werden, welche zu einer geringeren Traumatisierung des Gewebes und einer schnelleren Mobilisierung der Patienten führt.
Eine spezielle Variante der Hüftendoprothetik, die Oberflächenersatzprothese (Hüftkopfkappe), kommt insbesondere bei noch jüngeren Patienten (< 55 Jahre) zum Einsatz. Der Vorteil dieses knochensparenden Verfahrens liegt in dem Erhalt des knöchernen Oberschenkelhalses.
Ein gewisser Nachteil dieses relativ neuen Verfahrens liegt darin, dass bisher nur wenige mittel- bis langfristige Ergebnisse vorliegen.Endoprothesen haben allerdings, wie andere technische Produkte, eine begrenzte Haltbarkeit, was sich meistens durch erneute Beschwerden im Bereich des betroffenen Gelenkes oder Lockerungszeichen (Röntgenbild, Szintigramm, Arthrographie) bemerkbar macht. Nach einer ausführlichen Diagnostik ist in solchen Fällen meistens eine Wechseloperation der Prothese notwendig. In der Regel kann man heute von Standzeiten von mindestens 15 Jahren bei Hüftendoprothesen ausgehen.
Solche Operationen erfordern auf Grund der technischen Vielfalt der unterschiedlichen Prothesenmodelle umfangreiche Kenntnisse und Logistik. Zusätzlich sollte wegen des häufig höheren Alters der Patienten eine optimale anästhesiologische und intensivmedizinische Versorgung gewährleistet sein. Diese Kriterien werden in idealer Weise an unserer Klinik erfüllt.
Die Operation
Die Dauer der in Vollnarkose oder mit einer Rückenmarksbetäubung durchgeführten Operation beträgt in der Regel 1,5h. Nachdem der Operateur den zerstörten Hüftkopf entfernt bzw. präpariert (Hüftkopfkappe) hat, wird die Pfanne mit speziellen Fräsen vorbereitet. Anschließend wird die künstliche Pfanne exakt eingepasst. Die Verankerung im Knochen erfolgt in den allermeisetn Fällen zementfrei. Daran schliesst sich die Präparation des Femurs / Schenkelhalses (Hüftkopfkappe) an. Mit speziellen Raspeln / Fräsen (Hüftkopfkappe) erfolgt die Präparation und die küntslichen Femurkomponenten werden exakt eingepasst. Die Beweglichkeit des neuen Gelenkes wird überprüft, die Weichteile verschlossen und zum Abfluss des Wundsekretes Drainagen eingelegt, die nach 2-4 Tagen entfernt werden.
Die Nachbehandlung
Zur Gewährleistung eines optimalen Operationserfolges beginnt die Physiotherapie bereits am ersten postoperativen Tag. Begonnen wird mit leichten Anspannungsübungen, gezielter Atemtherapie und je nach Allgemeinzustand mit der Mobilisation. Die Gangschule beginnt am zweiten postoperativen Tag, zunächst am Gehwagen, später an Unterarmgehstöcken entsprechend der Implantationstechnik mit Teil- oder Vollbelastung.
Die Übungen werden während ihres stationären Aufenthaltes entsprechend ihres Allgemeinzustandes gesteigert, so dass Sie zum Antritt Ihrer Rehabilitationsmaßnahmen weitgehend selbstständig sind.
Um Ihre Fähigkeit zur Selbstversorgung in der Zeit unmittelbar nach der Operation möglichst wahren zu können, informieren Sie unsere Ergotherapeuten über Hilfsmittel und alternative Möglichkeiten zur Ausübung von alltäglichen Aktivitäten, wie z. B. Waschen und Anziehen. Die Planung und Organisation der Rehabilitation erfolgt durch den hauseigenen Sozialdienst in enger Absprache mit Ihnen, so dass Sie zeitgerecht in die Rehabilitation entlassen werden können.
Nach dem Eingriff verweilen die Patienten ca. 10 Tage in unserer Klinik auf der Station. Erst nach kompletter Wundheilung erfolgt auf Patientenwunsch die Verlegung zur Anschlussheilbehandlung in eine Rehabilitationsklinik für weitere 3-4 Wochen oder in die Frühreha unseres Hauses. Im Anschluss an die Rehabilitationsmaßnahme werden Kontrollen durchgeführt.
Die hauptsächlichen Erfolgsziele dieser Operation sind ein Nachlassen der Schmerzen sowie eine Verbesserung der Mobilität. Mit einem künstlichen Hüftgelenk bestehen im Alltag fast keine Einschränkungen. Im sportlichen Bereich sollte hingegen auf sehr gelenkbelastende Aktivitäten (z.B. Sprungsportarten, Stop-and-Go Sportarten) verzichtet werden. „Sanftere“ Sportarten, wie Bergwandern mit Stöcken, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Golf sind aber weiterhin gut möglich.





